CD des Monats

Claudio Monteverdi: Marienvesper

Alle CDs der vergangenen Jahre mit dem Knabenchor Hannover gibt es bei unserem Partner Rondeau Production. Im dortigen Webshop finden Sie weiterführende Informationen zu jedem Titel, Hörbeispiele sowie eine praktische und leichte Bestellmöglichkeit.

Claudio Monteverdi: Marienvesper (2011)
Jetzt im Handel! Konzertmitschnitt aus der St. Michaeliskirche Hildesheim
Himlische Cantorey, Vox Werdensis
Concerto Palatino, Musica Alta Ripa
KNABENCHOR HANNOVER
Jörg Breiding
Rondeau Production - Hörbeispiele und Kauf unter:
Kritiken und Rezensionen


NDR Kultur (Sendedatum: 08.12.2011 14:20 Uhr):

 

Der Knabenchor Hannover singt Monteverdi

Claudio Monteverdi, Vespro Della Beata Maria Vergine (1610)
Vox Werdensis, Himlische Cantorey, Knabenchor Hannover
Concerto Palatino, Musica Alta Ripa
Leitung: Jörg Breiding
Live aus der St. Michaeliskirche Hildesheim, Mai 2010

Vorgestellt von Elisabeth Richter

400 Jahre nach der Erstveröffentlichung im Jahr 1610 hat Claudio Monteverdis Marienvesper nichts von ihrem Reiz eingebüßt: Wie kaum ein anderes Werk bildet sie den Stilwandel zwischen Renaissance und Barock ab. Anlässlich der 1.000-Jahr-Feier des Michaelisklosters in Hildesheim führte der Knabenchor Hannover die Marienvesper in der St. Michelis Kirche auf. Mit dabei waren renommierte alte Musik-Ensembles unter der Gesamtleitung von Jörg Breiding. Der NDR hat die Aufführung im Mai 2010 mitgeschnitten, jetzt ist eine CD damit bei Rondeau erschienen.

Der Mensch im Mittelpunkt

1610, als Claudio Monteverdis "Marienvesper" im Druck erschien, hatte die Oper gerade ihre ersten Geburtswehen hinter sich, und Monteverdi selbst hatte mit seinem "Orfeo" Maßstäbe gesetzt. Monteverdi suchte damals eine neue Stelle, er wollte weg aus Mantua, vielleicht nach Rom, und so widmete er seine Marienvesper Papst Paul V.

Monteverdi war klug, er wusste, dass der für die Gegenreformation stehende Vatikan nichts von den neuen musikalischen Entwicklungen in der Gattung Oper wissen wollte, und so wurde seine "Marienvesper" ein Werk, in dem Monteverdi ebenso geschickt wie genial die alten Kompositionstechniken, die "prima prattica", mit den neuen, der "seconda prattica", verband.

Dramatisch, deklamatorisch, individuell war die Musik mit der Oper um 1600 geworden. Zuvor hatten alle Stimmen einem übergeordneten göttlichen Ganzen zu dienen; jetzt aber stand der Mensch mit seinen Leidenschaften im Mittelpunkt.

Sensationelle Ensembles

Leidenschaftlichkeit kennzeichnet auch die Live-Aufnahme aus der Hildesheimer St. Michaelis-Kirche. Man spürt die besondere Spannung der Aufführung in jeder Sekunde, die Dirigent Jörg Breiding aus dem gesamten Ensemble herausholte. Mit dem Ensemble Concerto Palatino wurde eines der versiertesten Ensembles für alte Blasinstrumente engagiert. Wer jemals versucht hat, eine alte Holztrompete, den Zink, zu spielen, der weiß, wie schwer das ist. Concerto Palatino spielt geradezu sensationell.

Auch das Ensemble Musica Alta Ripa sorgt für die Qualität dieser Live-Einspielung. Dass der Knabenchor Hannover singt, verleiht dieser "Marienvesper" eine besondere Klanglichkeit und Authentizität; Monteverdi selbst arbeitete ja seinerzeit mit Knabenchören, denn Frauen durften nicht in der Kirche singen. Die Chorpartien der Marienvesper sind zum Teil sehr virtuos, und so muss man den Knaben aus Hannover, die ja in den Sopran- und Altstimmen noch sehr jung sind, ein Kompliment für ihr Können aussprechen.

Große Homogenität

Die Solisten aus den Ensembles Vox Werdensis und Himlische Cantorey zeichnen sich vor allem durch stilistische Kompetenz und eine große Homogenität aus. Gelegentlich neigen vor allem die Herren dazu, ein wenig zu viel Pathos in ihren Gesang zu mischen.

Besonders an dieser Einspielung ist außerdem, dass die fünf Psalmen der Marienvesper von speziell für diese Aufführung ausgewählten Antiphonen eingeleitet werden. In dieser Form fanden zu Monteverdis Zeit Vespern für die "Glückliche Jungfrau Maria" statt. Für Monteverdis "Marienvesper" sind allerdings zu Lebzeiten keine Aufführungen belegt.

Auch wenn der Komponist das Werk Papst Paul V. widmete, es nützte ihm nichts, er bekam die gewünschte Stelle in Rom nicht. Zum Glück blieb die Musik erhalten. Jörg Breiding und der Knabenchor Hannover sowie die hervorragenden Vokal- und Instrumentalensembles hätten dem Komponisten mit dieser Aufnahme gewiss eine große Freude bereitet.

Hörbeispiele:



[…] Breiding hatte Profis wie die »Himlische Cantorey«, die »Choralschola Vox Werdensis« und die Instrumentalensembles »Concerto Palatino« sowie »Musica Alta Ripa« gewonnen. Monteverdis Marienvesper, dieses bahnbrechende, zukunftsweisende Werk, systematisch aufgebaut auf Psalmtönen, stellt an die Interpreten höchste Anspüche. Doch sowohl der Chor als auch die übrigen Mitwirkenden überzeugten zu Beginn im »Deus in adiutorium« durch ihre Wandlungsfähigkeit, ihr künstlerisches Gespür für die Alte Musik. Die akkordisch gesetzten Bitten, aber auch die Jubelgesänge oder die Ritornelle zwischen den Versen drangen voller Brillanz in den Kirchenraum. Der Konzertchor des Knabenchors beeindruckte durch strahlenden Stimmenglanz, Intonationssicherheit und Textverständlichkeit. Und selbst die rhythmischen Herausforderungen meisterten die jungen Sänger transparent und präzise. Man hört, dass einer der Schwerpunkte der Chorarbeit auf der historischen Aufführungspraxis liegt. […] Standing Ovations für die in jeder Hinsicht hervorragend aufeinander eingestimmten Sänger, Solisten und erstklassigen Instrumentalisten, die es verstanden, Konventionelles und Modernes, das Monteverdi in der Marienvesper bisweilen kühn neben- und miteinander in Wort und Ton aufgehen ließ, klangprächtig zu präsentieren.
Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 26. Mai 2010

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ruhr 2010: »marienvesper« in der Werdener Basilika […] Genau 400 Jahre nach ihrer Entstehung war jetzt als zentraler Bestandteil der Konzertreihe »Musica enchiriadis« eine Aufführung der »Vespro della Beata Vergine« zu erleben […] Die Ensembles Concerto Palatino und Musica Alta Ripa lieferten von Darmsaiten bespannten Streichern bis zur Barockposaune den Reiz des alten Instrumentalklangs. »Himische Cantorey « und Knabenchor Hannover verschmolzen zu einem Gesangsorgan aus jungen, entschlackten Stimmen, die die madrigalesk geprägten Sätze zu mildem Leuchten brachten und zugleich lebendig und deklamatorisch bewusst gestalteten. […] Eine Wiedergabe mit Prägekraft, die in der vollbesetzten Werdener Kirche mit Standing Ovations bedacht wurde.
Westfälische Allgemeine Zeitung, 26. Mai 2010



 

 

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