new eyes on Martin Luther

zum 500. Reformationsjubiläum

 

Die CD ist entstanden bei den Eröffnungskonzerten zum Auftakt des Jubiläumsjahres 500 Jahre Reformation der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers am 29. und 30. Oktober 2016 im Großen Sendesaal des NDR Landesfunkhauses Niedersachsen.

Ein Video live aus dem Sendesaal:

https://www.youtube.com/watch?v=Y2BeaYlkh9k

 

new eyes on Martin Luther
Jeanette Köhn, Sopran
Capella de la Torre
Nils Landgren & Friends
Knabenchor Hannover
Jörg Breinding
ACT 9852-2

 

Pressemitteilung des CD Labels ACT:

Mit dem Wort hat Martin Luther die Welt verändert.

Mit seinen  95  Thesen,  die  er  an  die  Wittenberger  Kirchentür nagelte,  vor  allem  aber  mit  seiner  Übersetzung der  heiligen  Schrift  ins  Deutsche,  der  „Lutherbibel“.  Die  war  nicht  nur  für das  religiöse  Leben folgenreich,  sondern  auch  für  das moderne  Deutsch:  Zahllose  Ausdrücke  und  Redewendungen gehen auf Luther zurück,  ob  man nun Feuer und Flamme  ist, Gewissensbisse hat, im Dunkeln tappt, aus der Reihetanzt, mit dem Kopf durch die Wand will oder etwas ausposaunt. Beim letzten  Begriff  kommt  auch  die  Musik  ins  Spiel,  die eine wichtigere  Rolle  bei  Luthers  Wirken  spielt  als  viele  glauben: „Die Lieder Luthers  haben  mehr Seelen  als seine Reden  und Schriften  getötet“,  konstatierte  bereits  1620  der  sozusagen gegnerische  Jesuit  Adam  Contzen.  Die von  Luther geschriebenen  und  gesammelten  „Volkslieder“,  die  in der  Tat dem „Volk aufs Maul“ schauten, gehörten  zu  den  stärksten Motoren  der  Reformation.  Grund  genug,  zum  Lutherjahr  und 500.  Jahrestag der  Reformation  einen  neuen  Blick  auch  auf diese  Musik  und  ihr  Vermächtnis  zu  werfen.  „New  Eyes on Martin  Luther“  unternimmt  genau  dies  und  sucht  dabei  die gewissermaßen ökumenische Verbindung der verschiedensten Musiker aus Klassik und Jazz.

Als  von  Anfang  an  der  Kreativität  der  Künstler  mehr als  Stil-  oder  Genregrenzen  verpflichtetes  Label  hat ACT eine lange Tradition solcher Projekte. Im Bach-Jahr 2013  etwa  begab  sich  Starposaunist  und  Alleskönner  Nils Landgren zusammen mit der Sopranistin Jeanette Köhnund mit den  „friends“  Magnus  Lindgren  an  Klarinette  und Flöte,  Eva Kruse am Bass und Johan Norberg an der Gitarre, die ihn seit jeher auch auf seinen weltmusikalisch offenen „Christmas with my  Friends“-Touren  begleiten,  auf  die  Suche  nach  den modernen, jazzigen Aspekten der Barockmusik: „New Eyes On Baroque“  hieß  das  umjubelte  Ergebnis.  Nun  stellen  Köhn, Landgren  und  Co.  die  jazzige  Komponente  der Wiederbegegnung mit der Musik aus Luthers Zeit.

Auf  der  klassischen  Seite findet  sich  einmal  die  von Katharina  Bäuml  an  der  Schalmei  geleitete  „Capella  de  la Torre“,  ein  seit  zehn  Jahren  bestehendes,  auf  historischen Instrumenten musizierendes Ensemble, das sich mit bislang über 20 CD-Einspielungen  auf die Musik der Renaissance spezialisiert  hat  und  für  das  Projekt  „Water  Music“ im vergangenen  Jahr  den  ECHO  Klassik  als  „Ensemble  des Jahres“ verliehen bekam.

Fehlt  für  die  Musik  Luthers  natürlich  noch  der  Chor: Komplett macht „New Eyes on Martin Luther“ der Knabenchor Hannover,  einer  der  renommiertesten  Vertreter  seines Fachs, der  bereits  auf  der  ganzen  Welt  auftrat  und  ebenfalls  bereits mehrfach  mit  dem  ECHO  Klassik  dekoriert  wurde.  Seit  16 Jahren  wird  er  von  Jörg  Breiding  geleitet,  dem  hier nun  auch die  Aufgabe  zufiel,  diese  drei  aus  so  unterschiedlichen Richtungen  kommenden Ensembles  zu  dirigieren,  zu arrangieren und zu einer Einheit zu verschmelzen.

Wie  das  in  Kooperation  mit  dem  NDR  live mitgeschnittene  Ergebnis  zeigt,  gelang  dies hervorragend: Mit  großem  Respekt  vor  dem  historischen Material und dem Mut, es in die Gegenwart zu holen. Breiding und  die  drei  Ensembles  verließen  sich  ganz  auf  die  zeitlose Schönheit der Originale, tasteten sie zunächst kauman, etwa bei der instrumentalen und der Chor-Version von „Verleih uns Frieden“ oder „Gott heilger Geist, Herre Gott“. Schon die von allen  gemeinsam  gespielte  Version  von  „Verleih  uns  Frieden“ erhält  durch  die  wuchtige  Besetzung  eine  fast  sinfonische Kraft.  Die  nächsten  Lieder  wie  „Aliot  Nouvelle“  oder  „Tanzen und Springen“ bekommen dann eine weltmusikalische Färbung –  speist  sich  die  moderne  Weltmusik  doch  oft  aus  der Wiederentdeckung  der Volksmusik.  Ab  hier  kommt  die Improvisation  ins  Spiel,  oft  als  kontrapunktische  Umrahmung des Gesangs. Und selbst wenn man sich dabei nach und nach immer stärker von den Vorlagen löst - vom stark synkopierten und  mit  Blue  Notes  umgarnten  „In  Dir  ist  Freude“  über  den Gitarrenblues und Posaunen-Bebop eines „Passamezzo“oder die  an  die  „Swingle  Singers“  erinnernde  Variante  von  „Kein schöner Land in dieser Zeit“  bis zum in eine hymnische JazzBallade  verwandelten  „Die  Gedanken  sind  frei“  –  bleibt  der Kern der Musik unangetastet, ja er wird eher herausgeschält.

Ein  Blick  auf  Martin  Luther,  der  Musikgeschichte lebendig und aktuell macht, ganz im Sinne des Liedes, das den  Tenor  des  ganzen  Projektes  vorgeben  könnte:  „In Dir  ist Freude“.

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