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Der Knabenchor in den Medien

Hannoversche Allgmeine Zeitung, 03.07.2019

Hannover. Manchmal reicht ein einziger Buchstabe, um zu begreifen, dass etwas Besonderes passiert. Wenn die Königskinder, die zueinander nicht kommen können, auch beim Konzert des Knabenchors Hannover mit deutschen Volksliedern im Kuppelsaal am Schluss „alle beide tot“ sind, dann ist das letzte „t“ der alten Ballade viel mehr als nur ein für Sänger besonders komplizierter Laut.

Aus fast 100 Mündern tönt dieser Abschluss ohne auch nur den kleinsten Wackler präzise zusammen und macht zugleich auf eine furchtbar beiläufige Art das traurige Ende der Liebesgeschichte erfahrbar: Es ist ein klarer, leiser, endgültiger Klang, wie er wohl entstehen mag, wenn ein abgestorbenes Blatt sich vom Ast löst.

Der Knabenchor offenbart in diesem kurzen Augenblick eine vorbildliche Technik, die nicht Selbstzweck, sondern Ausdrucksmittel ist: Der Zuhörer hört hier nicht die Disziplin, die dahinter stehen muss – er hört eine abgrundtief traurige Musik.

Singen gegen das Vergessen

Unter Leitung von Jörg Breiding zeigt der Knabenchor in seinen Konzerten mit gut abgemischtem Klang, schönen Phrasierungen und stilistischer Vielfalt oft auch musikalische Größe. Nicht immer allerdings tönt die so unüberhörbar eindrucksvoll wie etwa in Gustav Mahlers achter Sinfonie, die der Chor kürzlich in Amsterdam aufgeführt hat. Beim Auftritt im Kuppelsaal waren es eher die kleinen Details, die die rund 1700 Zuhörer beeindrucken konnten.

Unter dem Titel „Kein schöner Land“ bemüht sich der Chor in seinem aktuellen Projekt um eine Wiederbelebung von deutschen Volksliedern: Auf dem Programm stehen ausschließlich Stücke, die einst Allgemeingut waren und nun immer stärker vom Vergessen bedroht sind – Lieder wie „De Hamborger Veermaster“, „Guter Mond, du gehst so stille“ oder „Glück auf, der Steiger kommt“ dürften bei vielen Zuhörern wohl schon recht ferne Erinnerungen geweckt haben.

Ein Potpourri für Handwerker

Der Komponist und Arrangeur Andreas N. Tarkmann hat den Liedern behutsam ein neues Klanggewand verpasst. Dafür hat er oft auch thematisch passende Stücke zu einem längeren Werk zusammengespannt: Seine Potpourris aus Liedern über Tiere, Handwerker oder Seemänner eignen sich so gut für eine Aufführung im Konzert. Dort werden sie vermutlich bald häufiger zu hören sein: Im Herbst erscheinen die Partituren der raffiniert-pragmatischen Arrangements – gleichzeitig mit einer passenden CD des Knabenchores – in der erfolgreichen „Lieder-Projekt“-Reihe des Stuttgarter Carus-Verlags, dessen Noten bei vielen Chören in den Mappen liegen.

Blechbläserglanz mit Canadian Brass

Der Knabenchor konnte bei der großen Präsentation der Arrangements im Kuppelsaal auf eine luxuriöse Begleitung setzen: Die fünf Blechbläser von Canadian Brass verliehen den oft bewusst schlichten Sätzen einigen Glanz.

Das längst verjüngte Bläserensemble – von der legendären Gründungsbesetzung aus dem Jahr 1970 steht immerhin noch Tubist Chuck Daellenbach auf der Bühne – präsentierte zudem einige typische Stücke aus seinem Repertoire. Mit ihren unterhaltsamen Ragtime- und Blues-Arrangements setzten die Musiker in ihren Zwischenspielen einen durchaus exotischen Kontrapunkt zu den deutschen Liedern. Allerdings dauerte das Konzert so auch gut zweieinhalb Stunden.

Starker Auftritt der Vorklasse

Für die zum Teil sehr jungen Sänger scheint das aber kein Problem gewesen zu sein: Auch die Vorklasse und der Nachwuchschor waren bei ihren Auftritten mit Begeisterung und Disziplin dabei.

Wie gut man diese beiden Pole beim Knabenchor verbindet, konnte man dabei nicht nur hören, sondern auch sehen: Die Chorleiterinnen Ursula Schnaus, Ju Yost und Anna Maria Hauser lotsten die Grundschulkinder der Vorklasse bei deren Auf- und Abtritten streng, aber verständnisvoll auf den weiten Weg auf die Kuppelsaalbühne und passten auf, dass niemand an einer Kurve falsch abbog: ein kleines pädagogisches Spektakel am Rande.


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