KNABENCHOR HANNOVER Pressearchiv

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Der Knabenchor in den Medien

Glasklare Transparenz und unverwechselbar frische Klangfarbe

Markus-Passion von Johann Sebastian Bach im Verdener Dom aufgeführt

Knabenchor mit bravouröser Vorstellung

Musikalischer Hochgenuss im Dom: Der Knabenchor Hannover und die Hannoversche Hofkapelle führten die Markus-Passion von Johann Sebastian Bach auf. Ein Musikereignis von doppelter Faszination begeisterte im Verdener Dom ein leider allzu überschaubares Publikum. Mit der zu großen Teilen verschollenen und sorgfältig rekonstruierten Markus-Passion von Johann Sebastian Bach war der Knabenchor Hannover mit der Hannoverschen Hofkapelle unter Leitung von Jörg Breiding zu Gast.


Hinreißend schön gestaltet, mit glasklarer Transparenz und unverwechselbar frischer Klangfarbe, machten die Choräle und Chorszenen der Hannoveraner Sänger die Aufführung zu einer besonderen Kostbarkeit. Der musikalische Hochgenuss so gut ausgebildeter, disziplinierter und bestens artikulierter Stimmen, die reinen, mühelosen Sopranspitzen und die bei so jungen Sängern umso stärker berührende Empfindungstiefe waren eine einzige Freude. Das gilt auch für den Anblick der hoch konzentrierten Knaben, die ihre Aufgabe mit Hingabe und tiefem Ernst absolvierten. Dass so junge Menschen, zum Teil sogar Kinder, die erst kürzlich dem Grundschulalter entwachsen sind, ein solch anspruchsvolles Pensum so bravourös bewältigen, verdient schon für sich allein größte Bewunderung.

Die Hannoversche Hofkapelle, ergänzt um eine Laute und zwei Theorben, schuf mit ihren Barock-Instrumenten eine in sich gekehrte, intensive Atmosphäre. Als Orchestersolisten begeisterten die Flöten, die Oboe und das wunderbar sanfte Cello, dem in dieser Aufführung zwei Violonen schwesterlich zur Seite standen.

Die Solisten haben in diesem Werk nicht die individuelle Ausprägung, wie man sie aus der Matthäuspassion kennt. Dem Judas und Petrus sind keine eigenen Arien gewidmet, sondern die Empfindung wird in den Chorälen sublimiert. Ihre wenigen

Arien waren sehr schön gestaltet, verrieten jedoch in ihrer deutlich zurückhaltenderen Aussage und unspezifischeren musikalischen Ausgestaltung am deutlichsten, dass es sich bei diesem Werk eben um ein Pasticcio – oder, wie es im Programmheft heißt – ein Puzzle handelt, an dem bis heute immer wieder Änderungen und Ergänzungen vorgenommen werden. Die Fassung, die im Verdener Dom erklang, stammt von Simon Heighes (1995).

Achim Kleinlein (Tenor) war ein packender, intensiv gestaltender Evangelist, der seine Darstellung des Entsetzlichen oft geradezu heraus spie. Albrecht Pöhl (Bass) verlieh den Christusworten Leuchtkraft und Transzendenz. Berührend gestaltete Antonia Bourvé (Sopran) die Arie "Er kommt", in der sie Christus vor dem Verräter warnt und gleichsam als Individuum das Verhängnis abzuwenden sucht. Auch Anne Bierwirth (Alt) und Michael Jäckel (Bass) setzten stimmschöne Akzente. Jäckels Bass-Arie "Welt und Himmel nehmt zu Ohren" stellt den einzigen durchkomponierten Wechselgesang zwischen Chor und Gesangssolo dar und gestaltete somit einen der musikalischen Höhepunkte. Der Chor wurde von zwei leuchtenden Flöten begleitet, das Solo von einem trauernden Cello. Weitere kleine Soli wie die Worte des Petrus, des Judas oder des Soldaten mit dem Essigschwamm wurden von Sängern des Chores gesungen.

Sehr berührend

"Gute Bekannte" traf man allerorten; dass die Choräle sich in den Passionen doppeln, ist begreiflich, und von diesen Knaben gesungen, wurde ihre Schönheit und geistliche Intensität in beglückender Weise ausgeschöpft. Bei den Chorszenen erlebte man eine denkwürdige Verkehrung der Aussage in Nr. 2b "Ja nicht auf das Fest". Dessen Tonmaterial verwendete Bach offenbar erst später im Weihnachtsoratorium für die Hirtenszene "Lasset uns nun gehen nach Bethlehem". Und, noch verblüffender, im 33b "Kreuzige ihn", das man als "Ehre sei Gott" aus dem Oratorium kennt. Direkt nach der Kreuzigung ist die Luther-Strophe "Das Wort sie sollen lassen stahn" in ihrer Originalmelodie eingesetzt, auch dies eigentümlich und sehr berührend.  So erlebte das Publikum eine interessante, inspirierte und inspirierende Aufführung, die jeden Liebhaber der Bach-Passionen zu weiterem Forschen, Vergleichen und Nachspüren anregen musste und diesem hohen Genre auch in ihrer liebevollen und authentischen Ausführung voll gerecht wurde.

 

Susanne Ehrlich, Weser Kurier - Region Verden, 12. März 2013


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