Auf der anderen Seite der Welt

Der KNABENCHOR HANNOVER in Chile

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Am nächsten Tag (Mittwoch, 15.08.) stand bereits das erste Konzert des Knabenchores auf dem Programm. In der Universidad Andrès Bello gab der Knabenchor ein extra für diesen Anlass konzipiertes Konzert vor einem Publikum von rund 1500 Zuhörern, das zu einem großen Teil aus Kindern bestand.

Das erste Konzert gleich vor 1500 Zuhörern

In den Erläuterungen, die in spanischer und deutscher Sprache jeweils übersetzt wurden, erfuhr der Chor, wie außergewöhnlich es für Chile ist, einen deutschen Knabenchor zu Gast zu haben. Anschaulich demonstrierte Nils Ole Peters, Stimmbildner des Knabenchores Hannover, an einem Einsingen mit dem Publikum Stimmschulung und Atemtechnik und Jörg Breiding vertiefte dies noch durch den Kanon „Gute Nacht, gute Ruh“, den 1500 Menschen  im Rahmen dieses Konzertes gemeinsam sangen.

Nach diesem Konzert ging zurück in die Gastfamilien und gestalteten das Nachmittagsprogramm.

Am nächsten Tag (Donnerstag, 16.08.) begann der Tag zunächst mit einem kurzen Singen vor Schülern der Deutschen Schule Vitacura, die erstaunt den Volksliedern lauschten und beim eigens für die Chile-Reise einstudierten chilenischen Volkslied „El Tortillero“ begeistert mitschunkelten. Ein Phänomen, das dem Chor auf der weiteren Reise noch mehrmals begegnen sollte. Direkt von dort ging es per Bus ins 250 km entfernte Talca. Im dortigen Teatro Region del Maule gastierte der Chor vor rund 400 Konzertbesuchern. Auf Plakaten und in der örtlichen Presse als „Coro Aleman“.

angekündigt, fanden sich die Besucher auch noch nach Beginn des Konzertes im Theater ein. Obwohl die Bedingungen im Theater recht professionell und komfortabel waren, setzte der ungeheizte Konzertsaal und sämtliche Nebenräume den Chormitgliedern ziemlich zu. Die Probe konnte nur in Winterjacke durchgeführt werden, um das anschließende Konzert im Konzertanzug durchzuhalten. Mit Erläuterungen in spanischer Sprache moderierte Knabenchor-Mitarbeiter Eiko Saathoff das Konzertprogramm und erklärte die Tradition der Knabenchöre in Deutschland und die Geschichte des Knabenchores Hannover. Das A-Cappella-Programm spannte den Bogen von geistlicher Musik von Palestrina, Schütz, Bach und Mendelssohn Bartholdy über weltliche Madrigale bis hin zu deutschen Volksliedern, wie „Die Gedanken sind frei“, „Der Kuckuck und der Esel“, „Der Mond ist aufgegangen“ u.v.m. Höhepunkt eines jeden Konzertes waren für Chor und Publikum das chilenische „El Tortillero“. Nach dem Konzert bedankte sich der künstlerische Leiter, Pedro Sierra Espinoza, beim Chor für dieses „außergewöhnliche Konzert“. Draußen am Künstlereingang empfingen den Chor bereits begeisterte Besucher des Konzertes, und ein chilenischer Kinderchor sang spontan ein Lied für die hannoverschen Sänger.

Am nächsten Tag (Freitag, 17.08.) ging es früh weiter zum nächsten Konzertort: Temuco. Die morgendliche Kälte nach einer frostigen Nacht, wich nach und nach wärmeren Wetter und Sonnenschein, so dass die Mittagspause in der wärmenden Sonne draußen verbracht werden konnte. Am Nachmittag erreichte der Knabenchor Temuco und wurde dort herzlich von den Organisatoren vom deutsch-chilenischen Kulturinstitut Rosemarie Junge und Hans-Joachim Krämer empfangen. Nach Stellprobe und Einsingen wurde der Chor hervorragend bewirtet – wie überall auf der Reise. In der Kathedrale gab der Knabenchor vor rund 700 Konzertbesuchern (sogar die Stehplätze waren vollständig vergeben) nach einer herzlichen Begrüßung sein drittes Konzert. Die Übernachtung erfolgte wieder in Gastfamilien und schon nach einer Nacht mussten die Koffer wieder gepackt werden, um das nächste Reiseziel Frutillar anzusteuern.

Auf der Reise nach Süden begleiteten den Chor ständig die schneebedeckten Bergketten der Anden – ein Anblick, der einen tiefen Eindruck hinterließ.

Ständige Reisebegleiter: Die schneebedeckten Gipfel der Anden in Sichtweite der Autobahn

Als am Horizont einzelne Vulkankegel sichtbar wurden, stand kein Fotoapparat mehr still. Es sollte aber noch besser kommen. In Frutillar angekommen, empfingen den Chor nicht nur angenehmen Temperaturen von rund 15 Grad und Sonnenschein, sondern auch ein beeindruckendes Panorama vom Vulkan, der direkt aus dem Llanquehue-See herauszuragen scheint. Mit Frutillar erreichte der Chor den südlichsten Punkt der Konzertreise. In diese Gegend kamen Mitte des 19. Jahrhunderts Einwanderer aus Deutschland und bauten sich hier eine neue Existenz auf. Das „Teatro del Lago“ unter der Leitung von Nicola Schiess und Ulrich Bader hat sich in den vergangenen Jahren einen erstklassigen Namen gemacht. Bis zum Jahr 2010 wird hier ein großer Konzertsaal für rund 1000 Besucher entstehen. Viel Lob gab es von den Veranstaltern für den Knabenchor: „Solche Chöre wie ihr, haben wir hier nicht in Chile und nur sehr selten kommen sie bis zu uns hinunter in den Süden“, sowie die herzliche Einladung, einmal wiederzukommen.
Auch hier war der Aufenthalt des Chores erstklassig vorbereitet. Den freien Nachmittag nach der Ankunft nutzten die Chormitglieder mit ihren Gastfamilien zur Erkundung der Umgebung oder zur Besichtigung des Einwanderermuseums, bevor es dann zur Probe in das Theater ging. Ebenfalls vor ausverkauftem Haus gab der Knabenchor eines seiner besten A-cappella-Konzerte der Reise. Mit einem gemeinsamen Abendessen mit den Gastfamilien, Veranstaltern und den Chormitgliedern endete dieser Tag.

Nach dieser viel zu kurzen Zeit am Llanquehue-See ging es am Sonntag, 19.08. wieder gen Norden. Fast die Hälfte der Reise war bereits geschafft, und nach drei Tagen mit jeweils einem Konzert waren alle Mitreisenden froh über einen Tag ohne Konzerttermin am Abend. Zur Mittagszeit erreichte der Chor die Kleinstadt La Union, wo nach einem kleinen Spontankonzert nach der Messe in der örtlichen Kirche, die deutsche Schule den Chor zum Mittagessen eingeladen hatte und extra ein kleines Grillfest veranstaltete.

Nicht nur Singen: Spontan-Fußballturnier in La Union

Am Nachmittag erwartete die Mitglieder des Knabenchores eine Überraschung: ein Fußballturnier gegen die Schüler der chilenischen Schule. Verschiedene Altersgruppen kickten in mehreren Spielen gegeneinander bis am späten Nachmittag die Siegermannschaften feststanden: die chilenischen Gastgeber konnten alle Spiele für sich entscheiden. Diese sportliche Begegnung außerhalb des musikalischen Geschehens war eine zusätzliche Gelegenheit, um Kontakte mit chilenischen Gleichaltrigen zu knüpfen, was bei den Sängern des Knabenchores sehr gut ankam. Noch am Abend ging es per Bus weiter zum nächsten Konzertort: Valdivia – der Stadt in der es laut Reiseführer 360 Tage im Jahr regnet. So auch während der Zeit, in der der Knabenchor hier zu Gast war. Für zwei Nächte war Valdivia Gastgeber des Chores. Erwin Vidal, Direktor des Teatro Municipal hatte den zweitägigen Aufenthalt des Chores vorbereitet. Das Konzert des Knabenchores im ausverkauften Theater wurde mit lang anhaltendem Beifall belohnt. Nach dem Konzert ging es schnell in die beiden Hotels, in denen der Chor untergebracht war um am nächsten Tag die Busfahrt weiter nach Norden fortzusetzen.
Das Medienecho auf die Konzerte des Knabenchores war generell recht groß. In den örtlichen Tageszeitungen waren jeweils Konzertankündigungen der „niños cantores de Hannover“ zu lesen, ebenso erschienen in den Tageszeitungen am darauf folgenden Tag Berichte über das jeweilige Konzert.
Die längste Tagesstrecke von rund 600 km führte den Chor dann an die Pazifikküste nach Vina del Mar. Bei der Ankunft in der Dunkelheit breiteten sich die erleuchteten Hafenstädte Vina del Mar und Valparaiso eindrucksvoll vor dem Chor aus. Schnell war die Verteilung auf die Gastfamilien erledigt. Mónica Körver von der deutschen Schule hatte den Aufenthalt des Chores sehr gut vorbereitet und die Kinder und Männerstimmen konnten schnell in ihre Gastfamilien fahren. Am nächsten Vormittag ging es mit dem Bus und zu Fuß auf Erkundungstour durch Vina del Mar und Valparaiso. Vom einmaligen Panorama, das sich dem Chor vom Hafen in Valparaiso bot, waren alle sehr beeindruckt.

Panoramablick über Valparaiso

Ebenso wie vom kurzen Aufenthalt am Pazifik, der für viele Strapazen auf der Reise entschädigte. Am Abend erkling in der Aula Magna der Technischen Universität zum letzten Mal auf der Chile-Reise das A-Cappella-Programm mit Motetten und Madrigalen.
In Erinnerung bleibt auch die plötzliche Unterbrechung des Konzertes durch hereinstürmenden Studenten, die Flugblätter verteilten und ihre Forderung nach besseren Studienbedingungen lautstark verkündeten. Diese Proteste, die sich gegen die Universitätsleitung richteten, sorgten für einen Schreck beim Chor und Publikum. Die Erstarrung währte nur kurz. Kurz darauf setzten Jörg Breiding und der Knabenchor das Konzert fort und ließen die Störung bald vergessen. Am darauf folgenden Tag ging es dann zurück in die Hauptstadt Chiles. Auf dem Weg waren über 500 Höhenmeter zu überwinden und das machte auch der Wetterumschwung deutlich. Nach milden Temperaturen und Sonnenschein an der Küste, empfingen den Chor Regen und Kälte in Santiago. Zum Abschluss der Reise waren zwei Konzerte zusammen mit einem chilenischen Orchester geplant. Auf dem Programm standen Kantaten von Johann Sebastian Bach, sowie Werke von Mozart, Scarlatti und Buxtehude. Die Aufführung dieser Stücke mit einem chilenischen Orchester und einem deutschen Knabenchor vor rund 800 Konzertbesuchern hinterließen sowohl bei den Musikern, Solisten und Chorsängern wie auch beim Publikum einen tiefen Eindruck.

Letzte Vorbereitungen für das Abschlusskonzert in der Kathedrale von Santiago de Chile

Während der letzten drei Tage in Santiago fand ein Dirigierkurs für Chorleiterinnen und Chorleiter in der Universidad Catolica statt. Auf Initiative der Vereinigung „crecer cantando“ war Prof. Jörg Breiding gebeten worden, Aufführungspraxis und Chorleitung anhand von ausgewählten Kompositionen zu vermitteln. Die Resonanz der Teilnehmer und ihres Initiators war so positiv, dass Gespräche über eine Wiederholung dieses Kurses für Chorleiterinnen und Chorleiter aus ganz Süd-Amerika im Januar 2009 geführt werden sollen. Die musikalische Qualität des eigens für diese Aufführungen zusammengestellten Barockensembles war erstaunlich. Noch besser geriet am darauf folgenden Abend die Wiederholung dieses Konzertes im Templo Mayor in der Universidad Católica. In der ehemaligen Universitätskapelle waren die akustischen Bedingungen wie geschaffen für dieses Konzertprogramm und das Konzert war einer der besonderen musikalischen Höhepunkte dieser Reise. Victor Alarcon von „Crecer cantando“ dankte dem Knabenchor Hannover für seine herausragende musikalische Leistung und verband in seinen Worten den Wunsch, dass in Chile die Kinder und Jugendlichen schon frühzeitig und flächendeckend eine musikalischen Ausbildung bekommen mögen.
Beim anschließenden Abschiedsempfang am Abend des 26.08. im Club Manquehue wurde Rückschau auf die vergangenen zwei Wochen gehalten und der Kulturreferent der deutschen Botschaft bedankte sich beim Knabenchor Hannover für die Konzerte und bei den anwesenden Gastfamilien für die herzliche Aufnahme. Überall wurde der Chor vom Publikum und den chilenischen Gastfamilien herzlich aufgenommen und konnte vor ausverkauften Konzertsälen auftreten.

Am nächsten Tag (27.08.) ging es am frühen Vormittag wieder auf die Heimreise. Rund 17 Stunden Flugzeit waren zurückzulegen, bis einen Tag später die Heimat Hannover erreicht wurde. Am Flughafen Hannover erwarteten Eltern, Geschwister und Freunde die Chorsänger, die sich ihrerseits mit dem chilenischen Volkslied „El Tortillero“ für den herzlichen Empfang bedankten. Viele Reiseeindrücke haben die Reiseteilnehmer gesammelt. Neben dem Kennenlernen und Anpassen an andere Lebensgewohnheiten, andere Landschaften, ungewohnte Konzertsäle haben die jungen Sänger ihre Flexibilität unter Beweis gestellt, indem sie sich immer wieder auf neue Städte, andere Aufführungsorte, zunächst fremde Gastfamilien eingestellt und haben nach anstrengenden Busfahrten abends dem chilenischen Publikum gelungene Konzerte mit Werken von Bach, Buxtehude, Schütz, Mendelssohn Bartholdy präsentierten. Als Kulturbotschafter der Bundesrepublik Deutschland hat der Knabenchor Hannover sicher einen wertvollen Beitrag zu kulturellen Austausch geleistet.

Diese Erlebnisse werden sicher noch lange in Erinnerung bleiben

Mo, 13.08.
Abflug Hannover

Di, 14.08.
Ankunft Santiago

Mi, 15.08.
Kinderkonzert in der Universidad Andrés Bello

Do, 16.08.
Reise nach Talca (257 km), Konzert in Talca (a cappella)

Fr, 17.08.
Reise nach Temuco (420 km), Konzert in Temuco (a cappella)

Sa, 18.08.
Reise nach Frutillar (~300 km), Konzert in Frutillar (a cappella)

So, 19.08.
Reise nach Valdivia (210 km)

Mo, 20.08.
Konzert in Valdivia (a cappella)

Di, 21.08.
Reise nach Los Angeles (~350 km), Konzert in Los Angeles (a cappella)

Mi, 22.08.
Reise nach Vina del Mar ( ~500 km), Chor

Do, 23.08.
Konzert in Vina del Mar

Fr, 24.08.
Reise nach Santiago (120 km)
Meisterkurs mit Studierenden der Universität Santiago de Chile

Sa, 25.08.
Meisterkurs Konzert in der Catédral Santiago

So, 26.08.
Meisterkurs
Konzert in Campus Oriente Universidad Católica
Abschiedsabend in der Deutschen Botschaft

Mo, 27.08.
Abflug aus Santiago

Di, 28.08.
Ankunft Hannover

Der KNABENCHOR HANNOVER in Chile
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